Sonntag, 2. Mai 2021

Tee als Brücke zwischen Kulturen und Religionen

 "Der Osten und der Westen begegnen sich in einer Schale Tee."
Kakuzō Okakura

Über diesem Ausspruch ist in mir eine Vision gereift. Ich glaube Tee ist ein wertvoller Schlüssel zur Annäherung mit einer Vielzahl von nichtwestlichen Kulturen, ja, sogar den Meisten. Vom Norden Afrikas über Russland, den nahen bis zum fernen Osten bedeutet Tee den Menschen viel. Und fast alle diese Kulturen leben bei uns sehr häufig sehr isoliert.

Ich fordere euch alle auf, einen in eurer Nachbarschaft lebenden Mitmenschen aus einer fremden Kultur, den ihr vom häufigen Sehen vielleicht einerlei schon grüsst, in den kommenden Monaten auf eine prachtvolle Schale Tee einzuladen. Sprecht über eure unterschiedlichen Kulturen und was euch als Menschen dennoch verbindet. Ich glaube es ist eine kleine aber wichtige Tat für ein besseres Miteinander der Kulturen und Religionen. Ich glaube das gegenseitige Näherkommen ist ein zwar langsamer aber nachhaltiger Weg für Frieden auf Erden. Hüben wie drüben entsteht Hass mit etwas Zeit durch genährte Vorurteile, aber Vorurteile brauchen zuvor isolierte Kulturen um zu gedeihen. Sich persönlich richtig kennenzulernen bringt gegenseitige Ressentiments allerdings viel schneller zum Schmelzen als man denkt, und ein positives Erlebnis kann sich sogar noch über die Familie, Freunde, bis zu Verwandten weitertragen, ich habe es selbst schon mehrfach erlebt.

Ich halte dieses Projekt aus gesellschaftlich integrativem Fokus als auch individuell zwischenmenschlich für ausserordentlich wertvoll - langsam, aber wirklich nachhaltig.

Erst gestern habe ich meinen Nachbarn aus dem Sudan angesprochen, und siehe da, über den Tee war sofort eine zwischenmenschliche Verbindung da, entgegen unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Tee ist eine Chance, ein gemeinsamer Nenner für ein aufeinander Zugehen, denn es braucht einen gemeinsamen Nenner um einander näher zu kommen, hin zu einem besseren, gegenseitigen Verständnis, hin zu einem besseren und schöneren Miteinander, Okakura hatte ganz recht. Und wie Harry Truschzinski ergänzend bemerkte: "Die Qualität des Miteinanders hängt ab von der Quantität des Aufeinanderzugehens."

Mein Nachbar hat mich daraufhin gleich auf einen Tee bei ihm eingeladen. Er weiss ja noch nicht worauf er sich bei einer Gegeneinladung einlässt.

In nachfolgendem Video wird mehreres auf äusserst beeindruckende Weise untermauert, insb. wie wichtig es ist für eine bessere Zukunft der Welt, dass Menschen aus den verschiedenen Kulturen und Religionen einander näher kommen, einander kennenlernen, und mit einem gemeinsamen Nenner wie Tee fällt dies umso leichter, da er in den meisten grösseren Kulturen und Religionen der Welt geschätzt und geliebt wird.

Montag, 28. Dezember 2020

Besondere Teeverkostungsberichte

Liebe Teefreunde

Ich möchte an dieser Stelle besondere Teeverkostungsberichte meinerseits festhalten, die mir persönlich etwas bedeuten. Diese habe ich ursprünglich auf dem Forum verfasst - aber wer weiss, dies könnte jederzeit abschwirren und im schwarzen Loch des Netzes verschwinden. Darum hier quasi als Backup, jedoch mit inhaltlichen Verbesserungen!

Keine Bilder, kein Schnickschnack, reiner Text!
Ob so etwas heutzutage überhaupt noch gelesen werden kann?

Dies auf jeden Fall ein würdiger Blogbeitrag für das Jahr 2020 und obendrein ein Ausgleich für die Jahre der Stille.


Dienstag, 14. November 2017

Die halboxidierte Oolong Oolympiade 2017

Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer

Herzlich willkommen zur Live-Übertragung der halboxidierten Oolong Oolympiade 2017.
Im diesjährigen Finale kämpfen je ein erhabener Vertreter aus China, Neuseeland, Taiwan und Thailand um Gold, Silber und Bronze - und dies selbstverständlich wie Gentlemen.

Es geht letztlich darum, welche Nation es versteht, das exzellenteste und raffinierteste Resultat aus dem Blatt des Teestrauches (oder -Baumes) herauszuarbeiten in dieser Kategorie ... Preis/Leistung sowie etliche weitere Faktoren miteingerechnet. Dieses Bewertungssystem ist das Resultat von jahrelangen eigenen Entwicklungen. Eine neue Regelung gibt es hierbei noch in finanzieller Hinsicht zu beachten: Um massentauglich zu bleiben, darf der Endverbraucher-Preis der einzelnen Teilnehmer maximal um die 1€ pro Gramm betragen.

Die vielfältigen Vorbereitungen auf den heutigen Event fanden hier statt. Hauptsächlich betrafen diese die Wahl der teilnehmenden Nationen, als auch die Bestimmung derer letztlichen Vertreter und Händler. Aufgrund oxidativ bedingter Ausscheidungen konnten nicht alle gewählten Nationen antreten (zugelassene Oxidation an dieser OO: ca. 40-65%). Der Grund hierfür liegt darin, dass mehrere der betreffenden Oolong-produzierenden Nationen wie z.B. Indonesien oder Nepal hauptsächlich sehr grünen und/oder ziemlich stark oxidierten Oolong herstellen, aber eben praktisch nichts dazwischen.

Die leichtoxidierte, "grüne" Oolong Oolympiade fand tatsächlich schon vor mehr als 3 Jahren statt.
Diese war aber eher als Testlauf zu verstehen, zumal sie auch noch ohne echte Bewertung endete. Dies ändert sich mit der heutigen Ausgabe.


Bildkommentar: Der durch die mehrjährige Lagerung ziemlich hell gewordene Neuseeländer (hat ihn teure Punkte gekostet) in Aktion


Die teilnehmen Nationen und ihre Vertreter

China tritt an mit einem 2013er Oriental Red (Songzhong Dongfang Hong) Fenghuang (Phoenix Mountain) Dan Cong Oolong.
Diese Sorte wurde vor etlichen Jahren als beste aller chinesischen Fenghuang Oolongs auserkoren, um dem Chairman als besonderes Geschenk dargebracht zu werden - nach dessen Lobpreisungen wurde in der Folge diese Sorte überhaupt erst auf diesen Namen umgetauft (Der Rote aus dem Osten). So etwa die Geschichte. Zuvor habe die Sorte angeblich einen völlig unaussprechlichen Namen gehabt.

Neuseeland tritt an mit dem 2013er Zealong Dark Oolong aus Hamilton, Waikato. Die ersten 1996 gepflanzten 130 Sämlinge stammen aus Taiwan.

Taiwan tritt an mit einem 2013er Shuixian Dan Cong aus Mingjian (aka Garagen Oolong, dieser Baum ist mittlerweile leider gestorben)

Thailand tritt mit einem 2013er Dong Ding an aus Doi Mae Salong in Nordthailand, ca. 250km südwestlich von Menghai in Yunnan gelegen. Kultivar: Ruan Zhi / #17, ursprünglich aus dem Alishan Hochland Taiwans stammend.

Indien musste leider kurzfristig disqualifiziert werden, weil der für Indien antretende Teilnehmer sich doch als zu grün hinter den Ohren erwies.

Interessant festzuhalten an diesem Wettkampf: Taiwan orientiert sich an China, während sich Neuseeland und Thailand an Taiwan orientieren. Vielleicht wird sich Indien auch irgendwann noch an Taiwan zu orientieren beginnen was die Oolong-Produktion betrifft.

Als Exoten-Bonus erhält der Teegarten in Neuseeland eine kurze Bildvorstellung:




(Quelle: Zealong, Link/Bezugsquellen unten aufgeführt)



Bevor es losgeht - die Details

Die halboxidierte Oolong Oolympiade Wettbewerbs-Dosierung:

- 4 Gramm
- 2 dl
- Zwieback Zini, etwas vom Passendsten für Oolong meiner Erfahrung nach
- Temperatur: 94°
- Ziehzeiten: 1. Durchgang 90 Sek., 2. Durchgang 60 Sek., 3. Durchgang 120 Sek.
- Verwendetes Wasser: Saskia Kirkel still


Bewertung:

Es wird mit dem Bewertungssystem von 6 (min.) bis 1 (max.) gemessen, mit bis zu 1/4 Noten Abstufungen. Ganz unten auf der Seite finden Sie dazu eine Legende zu den einzelnen Bewertungs-Noten, die zwar auf die Abschlussnote ausgerichtet ist, aber auch erhellend auf die einzelnen Aspekte wirken kann. Die zusätzliche Prozentangabe bei der Bewertung dieser einzelnen Aspekte bedeutet deren prozentuelle Gewichtung in der letztendlichen Endnote.


Interview vor dem Start:

Vielleicht erwischen wir wieder einen der Spitzenathleten zu einem kurzen Interview noch vor dem Beginn der Austragung? Ja!

Soeben geht Mr. Dark am Moderatoren-Zelt vorbei - Mr. Dark, Mr. Zealong Dark! Haben sie für die Zuschauer noch einen Augenblick Zeit bevor es losgeht? ... Recht herzlichen Dank! Wollen sie uns noch etwas mitteilen, bevor sie bis aufs letzte Quäntchen ausquetscht werden? Ja, ... ja, ... ja, ... ja, ... danke, jetzt reichts aber, bitte sparen Sie sich doch noch etwas Kraft für ihren Wettkampf!

Mr. Dark sagte es freue ihn ausserordentlich hier mit dabei zu sein, er habe nie damit gerechnet, dass sein Heimatland zugelassen werden würde, da er kaum Brüder und Schwestern in seiner Heimat habe, umso mehr möchte er sich bei der Teetalk-Community für deren Unterstützung bei der Wahl bedanken. Er wollte dann kaum aufhören von sich zu erzählen, sein Lieblingsfilm sei natürlich Herr der Ringe, seine Lieblingsfrucht die Kiwi, es sei eh nirgends so schön wie bei ihm zu Hause in Neuseeland - es scheint sich bei Mr. Dark um einen waschechten Patrioten zu handeln - zum Schluss meinte er, er gebe nur zu gerne sein letztes Hemd für den Ruhm seiner Nation unter den Teeliebhabern - das hören wir gern!

Bildkommentar: Mr. Zealong Dark beim Interview vor dem Start



Mögen die Spiele beginnen!

Alle Teilnehmer befinden sich in den Startlöchern! 
Der Startschuss ertönt, das Wasser köchelt bereits im blitzenden Stahl des Wasserkochers.
Die Athleten schwitzen vor Erregung - jetzt gehts ans Eingemachte!

Bildkommentar: Der indische Teilnehmer (2.v.l.) musste leider kurz vor dem Start disqualifiziert werden, weil es bei der Pinkelprobe ein zu grünes Resultat gab.

Aussehen der Blätter
(total 5% Anteil der Gesamtwertung)

Aussehen der Blätter unaufgegossen (2.5%): 

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.25
Taiwan Shuixian: 1.5
Thailand Dong Ding: 2.5



Bildkommentar: Der chinesische Anwärter aus dem Phoenix Gebirge in Guangdong


Aussehen der Blätter aufgegossen (am Ende des yi pao cha) (2.5%): 

China Oriental Red: 3.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 2.25
Thailand Dong Ding: 3.5




Duft 
(total 10% Anteil der Gesamtwertung)

Duft unaufgegossen (die Blätter in der Kanne) (2.5%):

China Oriental Red: 1.25
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian:1.5
Thailand Dong Ding: 3.5


Bildkommentar: Der Anwärter aus Neuseeland


Duft aufgegossen (der Tee beim 1. Aufguss in der Tasse) (5%):

China Oriental Red: 2
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2.5



Bildkommentar: Der Anwärter aus Minjiang, Taiwan


Duft aufgegossen (die Blätter nach dem 1. Aufguss in der Kanne) (2.5%):

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2.25
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2.5


Bildkommentar: Der Anwärter aus Doi Mae Salong in Thailand


Aufgussfarbe (1. Aufguss) 
(5% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2


Bildkommentar: Taiwan Shuixian


Geschmack (inkl. Vielschichtigkeit) (1. Aufguss) 
(20% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2



Bildkommentar: Thai DMS Dong Ding


Nachhall Gaumen [Geschmack, Weiterentwicklung, Länge] (1. Aufguss) 
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.5
Thailand Dong Ding: 2



Bildkommentar v.l.n.r.: China, Neuseeland, Taiwan

Ausdauer / Anzahl Aufgüsse: geschmackliche Entwicklung der weiteren Aufgüsse  
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 2.5
Neuseeland Zealong Dark: 3.5
Taiwan Shuixian: 2.5
Thailand Dong Ding: 3


Bildkommentar v.l.n.r.: Taiwan, Thailand

Wirkung (psychische und körperliche, inkl. umgebende Mystik betr. Sorte, Hersteller, o.ä.) 
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2






Preis / Leistung
(15% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 3
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 2.5
Thailand Dong Ding: 1.5






Lagerentwicklung / Reifung
(15% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 3.5
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2.25






Endnote 1.98: Taiwan
Gewinner Gold-Medaille

Endnote 2.00: China
Gewinner Silber-Medaille

Endnote 2.19: Thailand
Gewinner Bronze-Medaille

Endnote 2.50: Neuseeland
4. Platz





Bezugsquellen:  

- Der Chinese Oriental Red stammt vom Teeshop-Betreiber und Teetalker Chenshi Chris, derzeit vergriffen, jüngerer Jahrgang evtl. bald wieder verfügbar.
- Der Neuseeländer Zealong Dark wurde vom Blogger und Teetalker Geroha privat gesponsert, jüngere Jahrgänge etwas heller hier und etwa so dunkel wie getestet hier erhältlich.
- Der Taiwanese Shuixian stammt vom Röstmeister Atong via Teeshop-Betreiberin Meng-Lin Chou, ist aber ausverkauft als auch der legendäre Baum tot.
- Der Thailänder Dong Ding stammt vom Teeshop-Betreiber und Teetalker Diz.







Definition der Bewertung der verschiedenen Aspekte des Tees:

1.0: Fast unerreichbare Perfektion - ein einmaliges Erlebnis, hier stimmt einfach alles - bei verschiedenen Aspekten überhaupt nur bei perfekten klimatischen Bedingungen erreichbar.

1.5: Weltklasse - dafür lohnt es sich, ein kleines Vermögen hinzublättern – üblicherweise um das Beste, was eine Region oder Sorte überhaupt zu bieten hat.

2.0: Exzellent, erhaben - Pflichtkauf für Tee-Liebhaber.

2.5: Sehr gut und lohnenswert - bei einfacherem Tee das Höchste der Gefühle, welcher nicht so komplex, dafür aber ausserordentlich gut gelungen ist und Spass macht.

3.0 Gut, solide - zu geniessen, haut einem nicht vom Hocker, ist aber lecker.

3.5 Befriedigend - lecker wäre übertrieben, kann man aber noch gut trinken.

4.0 Augen zu und durch - kann man noch trinken, aber weit entfernt von Spass. 

4.5 Lohnt sich nicht, dafür Wasser zu verschwenden - da könnte vielleicht mal was gewesen sein. Kann auch auf schlechte oder zu lange Lagerung zurückzuführen sein.

5.0 Einfach nur schlecht - verdirbt die Laune.

5.5 Ganz erstaunlich miserabel - man braucht ein besonderes Händchen, um überhaupt an solchen Tee zu gelangen.

6.0 Lebensmittelvergiftung - verdirbt nicht nur die Laune, sondern auch noch gleich den Magen.

Montag, 20. März 2017

"Japan - der Matcha Cocktail": das Rezept

Diesen Matchacocktail haben Barkeeperfreund und Schauspieler A. Haueter vom BarMünster in Zürich und meine Wenigkeit gemeinsam an kalten Winterabenden Anfangs 2017 erfunden und entwickelt.

Er kommt so gut an, dass er nicht nur auf der kommenden Menü-Karte dieser Cocktail Trendbar erscheint, sondern ganz vorne als besondere Empfehlung der Bar zu finden sein wird.

Nach mehreren Anfragen veröffentliche ich hier exklusiv das Rezept für "Japan - der Matcha Cocktail", die Rechte darüber bleiben allerdings bei uns, © 2017. Private selbstverständlich, aber auch Bars dürfen dieses Rezept verwenden, den Cocktail aber nur unter der gleichen Bezeichnung "Japan" verkaufen. Der Namenszusatz " - der Matcha Cocktail", " - der Matcha Drink", " - the Matcha Cocktail" oder " - the Matcha Drink" sind allerdings gestattet. Das ist ein sehr ernsthafter Drink, der ein Welterfolg werden soll und meiner Einschätzung nach wird - dafür ist es aber wichtig, dass der Hauptname konstant bleibt. Wer ihn einmal probiert hat, wird schnell merken, dass er etwas wirklich besonderes ist.

  
Ein Foto des originalen Cocktailrezepts aus der Rezeptbox der Bar - geschrieben vom Miterfinder.

Die Farbe des Drinks im Hintergrund ist etwas extremer als der normale Cocktail nach Rezept - diesen habe ich heute Abend einmal probegesüffelt (für Extremisten) - er enthält die dreifache Dosis Matcha, ansonsten bleibt aber alles gleich. Der Drink hat so auf mich erstaunlich erfrischend gewirkt und war wunderbar ... aber eben nur wegen dem nächsten Punkt:

Ein sehr wichtiges Detail: Die Qualität des Matchas ist wider erwarten massgebend, weil bei diesem Drink der Matcha voll zur Geltung kommt und von den Aromen der anderen Bestandteile nicht negativ überdeckt wird - das ist der grosse Clou dieses Rezepts, aber auch das Problem, wenn die Qualität nicht ganz stimmt. Welcher Matcha genau verwendet wird ist zwar Betriebsgeheimnis - ich bitte auch alle Teefreunde die es wissen oder ahnen, darüber nicht öffentlich zu schreiben. Ich sage aber folgendes: Es handelt sich um allerhöchste Koicha Mönchs-Teezeremonien Qualität. Wenn man in irgendeinem guten Teeladen ist, ist der Teuerste gerade gut genug - das ist kein Scherz. Ganz besonders bei Erhöhung der Dosis (ich empfehle für Teeliebhaber ca. 2,5g pro Drink, etwa 2 Espressolöffel - so trinke ich ihn eigentlich immer), kommt der Matcha ganz ausserordentlich schön zur Geltung, und es ist auch ein toller Drink, aber eben die Qualität wird dann augenscheinlich, und nur wenn diese wirklich gut ist, ist der Drink auch richtig toll.

Wie klug es allerdings ist, so einen Drink mit knapp 4g Matcha um 23 Uhr zu trinken, das ist auch um fast 3 Uhr noch nicht ganz klar.

Nebenbei: Die Wahl des Gins ist ebenfalls wichtig - ich empfehle sehr, streng beim Rezept zu bleiben - wir haben es mit verschiedenen probiert, mit erheblichem (negativen) Unterschied auf die Zurgeltungkommung des Matchas.

So, jetzt habe ich immerhin einen würdigen Blog-Beitrag für das Jahr 2017 geschrieben.

Gruss
Kroet

Donnerstag, 14. Juli 2016

2016 Lao Ban Zhang Gushu Shou im ausführlichen Test

Die Pu'Er Koryphäe Jinsong Yu hat sich vorgenommen, dieses Jahr Bock samt Adler abzuschiessen und etwas zu produzieren, was zuvor vielleicht noch nie dagewesen ist. Die Kröte hat dazu ein Ständchen gequakt und sich ein Sample ergaunert, wovon Teeliebhaber noch im Wachzustand zu träumen glauben.

Wir sprechen hier von einem Shou aus Material der frühen Frühlingsernte sowie reinem Gushu Pflückgut - kein 15% Gushu Blend mit 85% Plantagenmaterial.

Wenn das kein Grund ist, das für die seit bald zwei Jahren anstehende, mitteloxidierte Oolong Oolympiade weiterentwickelte, Tee von der Erde bis zum Himmel vermessende Tee-Testsystem einmal wieder auf den Prüfstand zu schicken?


Let's begin!!


Aufgussdetails:
- 2 Gramm
- ca. 1,5 dl
- echte Jadekanne
- Temperatur: 95°
- Ziehzeiten: ca. 5 Sek. kalter Waschgang, 1. Durchgang: 90 Sek., 2. Durchgang: 60 Sek., 3. Durchgang: 120 Sek.
- Verwendetes Wasser: Saskia Kirkel still

Bewertungsdetails:
Es wird anhand der Notenskala von 6 (min.) bis 1 (max.) bewertet, mit bis zu 1/4 (0.25) Abstufungen. Die zusätzliche Prozentangabe bei den einzelnen Aspekten bedeutet deren prozentuelle Gewichtung in der Gesamtnote. Am Ende des Tests finden Sie eine hilfreiche Legende zu den einzelnen Teilnoten. 


























Aussehen der Blätter (unaufgegossen und aufgegossen) 
(5% der Gesamtwertung)

- unaufgegossen (2.5%): 2.5

Ein Shou hat grundsätzlich andere Stärken als die Optik, trotzdem ist es in diesem Fall ausnahmsweise interessant, man meint bereits die Dicke der Blätter zu erkennen und die Farben sind spannend und machen Lust auf den Tee!
























- aufgegossen (am Ende des Yi Pao Cha) (2.5%): 2.25

Die ausgelutschten Blätter und Stängel werden fast wie morsches Holz bereits bei Berührung mit geringem Druck zu Mus.



Duft (unaufgegossen und aufgegossen)  
(10% der Gesamtwertung)

- unaufgegossen (die Blätter) (2.5%): 3.0

Eine Schwachstelle eines jeden jungen Shou - aber vergleichsweise kaum noch störendes Wodui von der Schnellfermentation, viel mehr eine interessant Pilz- und Walderdenote


- aufgegossen (der Tee beim 1. Aufguss) (5%): 1.75

Die Überraschung: Kein Wodui!
Torf, ungesüsster Kakao, leichter Mokka


- aufgegossen (die Blätter in der Kanne nach dem 1. Aufguss) (2.5%): 2.0

Ebenfalls kein Wodui!
Deftiger Geruch (und sehr interessante Wandlung davon): Düstere Waldwurzeln, -erde und Baumnadeln, Torf, schwarze Molasse



Aufgussfarbe (1. Aufguss) 
(5% der Gesamtwertung): 1.5

Wie im Gourmetbereich heutzutage mildgeröster Kaffee: weiches, warmes Braun - für mich sehr einladend.






















Geschmack (inkl. Vielschichtigkeit) (1. Aufguss) 
(20% der Gesamtwertung): 1.5

Ebenfalls kein Wodui zu verzeichnen!

Dieser Tee steht für mich für die süsse Seite des Lebens - Süsse in verschiedenen Facetten. Ein Tee zum Schwelgen und Geniessen. Eine derart samtene Textur, zungeumspielend und gaumenumschmeichelnd - warme, dichte, weiche Aromastruktur, aber wie die Königsdisziplin des Weins dabei leicht und nicht fett und schwer, mit der milden Würze aufs feinste ausbalancierte Süsse auf verschiedenen Ebenen, fast keine spürbare Bitterkeit, Hui Gan (wiederkehrende Süsse) legt sich wie Ebenen auf der Zunge ab, aber nicht wie bei Sheng Hui Gan die Süsse aus der Herbe entspringend, sondern eine Süsse folgt aus einer anderen Süsse, geheimnisvoll verborgen wie in Babuskas. Verblüffender Tee, ein Kunstwerk, wohl nahe der Perfektion, was mit Shou möglich sein dürfte. Anders als erwartet.



Nachhall [Geschmacksqualität, Geschmacksweiterentwicklung, Länge] (1. Aufguss) 
(10% der Gesamtwertung): 1.5

Wie oben erwähnt ein ausserordentliches Süssespiel. Minutenlanges, nur langsam abebbendes Hui Gan.



Ausdauer/Entwicklung: mehrfache Aufgiessbarkeit und geschmackliche Entwicklung der weiteren Aufgüsse  
(15% der Gesamtwertung): 1.5

Exzellent, selbst bei so leichter Dosierung sind noch etliche Aufgüsse drinnen.

Sollte man ihn beim zweiten Aufguss über dem Schreiben von ein paar Zeilen vergessen und versehentlich 10 Minuten lang ziehen lassen - kein Problem, er wird trotzdem wunderbar. Eine ganz leicht haselnussige Note kann dabei auftreten.



Wirkung (psychische und körperliche, sowie umgebende Mystik betr. Gegend, Sorte, Hersteller, Geschichte, etc.) 
(20% der Gesamtwertung): 1.25

Wirkung samtig sanft aber sehr stark! Mehr wie alter, herausragender Sheng. Nicht wie ein Gewitter wie sonst häufig bei gut gemachtem Shou. Wenn man vom Teetisch aufsteht befindet man sich definitiv im übertragenen Sinne in schwankender Wirtshausatmosphäre. Umgebende Mystik kaum zu übertreffen.



Preis/Leistung  
(15% der Gesamtwertung): 3.5

Ein Schnäppchen ist er nicht, darum muss er in diesem Punkt einstecken - wegen der Ausdauer werte ich ihn aber gerade noch befriedigend für den Preis. Aber der Preis-/Leistungsaspekt darf einfach nicht ausser Acht gelassen werden.



Endnote: 1.86
Individueller Titel: Erhabene Alternative für das Kaffeekränzchen einer Ölscheich-Runde

Bezugsquelle (mit etwas Glück in kleiner Menge beziehbar und nur auf persönliche Anfrage)



Definition der Bewertung der verschiedenen Aspekte des Tees:

1.0: Fast unerreichbare Perfektion - ein einmaliges Erlebnis, hier stimmt einfach alles - bei verschiedenen Aspekten überhaupt nur bei perfekten klimatischen Bedingungen erreichbar.

1.5: Weltklasse - dafür lohnt es sich, ein kleines Vermögen hinzublättern – üblicherweise um das Beste, was eine Region oder Sorte überhaupt zu bieten hat.

2.0: Exzellent, erhaben - Pflichtkauf für Tee-Liebhaber.

2.5: Sehr gut und lohnenswert - bei einfacherem Tee das Höchste der Gefühle, welcher nicht so komplex, dafür aber ausserordentlich gut gelungen ist und Spass macht.

3.0 Gut, solide - zu geniessen, haut einem nicht vom Hocker, ist aber lecker.

3.5 Befriedigend - lecker wäre übertrieben, kann man aber noch gut trinken.

4.0 Augen zu und durch - kann man noch trinken, aber weit entfernt von Spass. 

4.5 Lohnt sich nicht, dafür Wasser zu verschwenden - da könnte vielleicht mal was gewesen sein. Kann auch auf schlechte oder zu lange Lagerung zurückzuführen sein.

5.0 Einfach nur schlecht - verdirbt die Laune.

5.5 Ganz erstaunlich miserabel - man braucht ein besonderes Händchen, um überhaupt an solchen Tee zu gelangen.

6.0 Lebensmittelvergiftung - verdirbt nicht nur die Laune, sondern auch noch gleich den Magen.


Tee-Bewertungssystem und Bewertungsdefinitionen © Copyright 2014-2016 g-kroet.blogspot.com / GoldenTurtle. All rights reserved.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Die leichtoxidierte (grüne) Oolong Oolympiade 2014: Underdog Thailand gegen China und Taiwan

Ursprünglich habe ich diesen Beitrag am 2. März 2014 auf dem Blog eines Kollegen veröffentlicht (Beweis).
Da dieser Beitrag dort aber inzwischen nicht mehr verfügbar ist, poste ich ihn hier auf meinem in der Zwischenzeit entstandenen eigenen Blog, denn nach 1,5 Jahren Wartezeit soll endlich auch bald die halboxidierte Oolong Oolympiade folgen!

Herzlich willkommen sehr geehrte Damen und Herren zu unserer Live-Schaltung der heute stattfindenden Oolympischen Spiele von Tea Lake City. Mein Name ist Gülden Kröt, und ich habe die Ehre, Ihnen die drei Spitzensportler vorzustellen, die es bis ins Finale geschafft haben.

Da ist zum einen der thailändische Herausforderer mit einem Kampfgewicht von 2 Gramm: #17 Jade Pearls First Flush aus Doi Mae Salong, Provinz Chiang Rai, dem Norden Thailands, nur ein paar Hundert Kilometer südwestlich von Pu'Er, China, beheimatet. Ach, da kommt er gerade! Vielleicht erwischen wir ihn für ein kurzes Interview. ... Mr. Pearls, einen Augenblick bitte, wie fühlen sie sich kurz vor diesem grossen Wettkampf? ... ja, ... ja, ... danke vielmals, und viel Glück wünschen wir ihnen! Er meint, er fühle sich etwas krümelig, und freue sich auf die erste Runde im Teich!

Ebenfalls mit 2 Gramm am Start die beiden Titelverteidiger, Nonpareil Li Shan aus Taiwan und der 7A Jade Tie Guan Yin aus China!

VLNR: Thailand, Taiwan und China - kurz nach der Kampfgewichts-Waage. (man beachte die unterschiedliche Kompaktheit - alle exakt 2.0 Gramm)

Alle drei repräsentieren die eher etwas grünere Linie ihrer grossen Oolong Familien. Nichtsdestotrotz gilt Li Shan praktisch offiziell als Nr. 1 der Oolongs in Taiwan, der Thailänder #17 Jade Pearls First Flush stammt von Pflanzen aus dem (Alishan) Hochland von Taiwan (also etwas niedriger als die Heimat von Li Shan) - es könnte sich aber trotzdem um einen Abkömmling der gleichen Varietät handeln - optimale Vergleichsvoraussetzungen also.

Die Spiele bestehen aus zwei Disziplinen: Turmsprung mit anschliessendem Synchronschwimmen und abschliessendem Nirwana-Drift. Alle mit dem exakt gleichen Gewicht, gleich warmem Wasser und gleich langer Tauchzeit. Danach folgt die neu eingeführte Disziplin des eierlegenden Wollmilchsau-Rodeos, wobei es gilt: Wie viel Spass kriegt man für wie viel Kröten? Oder etwas vegetarischer ausgedrückt: Ohne Moos nix los, entgegengesetzt betrachtet.


Mögen die Spiele beginnen!

Mit einem Kopfsprung stürzt sich Mr. Pearls aus Thailand ins 95° kalte Wasser, einen 150ml grossen Teich, gurgelt ein bisschen, und geht nach 95 Sekunden unter. So weit, so gut. Doch was meinen die Punketrichter zu dem Gezeigten?

Duft: wunderbar würzig, unglaublich lecker

Geschmack: sehr harmonisch, zart weiss-florale Wiesenblümlein, etwas Orchidee

Nachhall: schöner Nachhall, Geschmacksebene Wechsel darin zu Beginn, wird etwas "breiter", grün-floraler, relativ langer, konstanter Nachhall

... so das eindeutige Urteil der Jury!






















Doch nun ist Taiwan an der Reihe!
Mit einem doppelten Rittmeier springt er gekonnt vom Turm ins kühle Nass.
Nach ein paar Crawl-Übungen gleitet auch er ins Nirwana des Vergessens.
Ob das die Punkterichter zu begeistern vermag?

Duft: kaum sattzuriechen, etwas zwischen Grapefruit und Mandarine mit reifen, rot-floral würzigen Noten

Geschmack: etwas leichter, etwas würziger, ein kleines bisschen weniger floral, mehr gelblichere Blüten als weisslichere wie der Konkurrent zuvor

Nachhall: etwas süsslicher, zart rösthaselnussig (aber nicht wie ein nussiger Grüntee Bi Luo Chun, weniger aufdringlich, nicht bohnig, dafür röstig), einen Ebenenwechsel mehr als zuvor, das Florale spielt etwas weniger mit, etwa gleich lang, etwas verspielter

So weit die Jury. 



Es folgt das grosse Zittern. China betritt den Sprungturm.
Ja ist das denn die Möglichkeit, Mr. 7A springt und zieht an einer Fallschirmschnur,
und segelt gemütlich ins Wasser. Betrug, sagen die einen, grosse Kunst, die anderen.
Noch während des Getümmels ist er bereits sang- und klanglos untergegangen.

Die Jury meint:

Duft: betörende grünliche Orchidee

Geschmack: ach, er ist schon sehr gelungen. Orchidee, so, wie man sie sich wünscht. Ansonsten deutlich weniger Wiesenblümlein, nur ganz früh geschlüpfte im frühesten Frühling, etwas "grünlich"-blütig, aber klar nicht vegetabil sondern floral. Geradliniger, weniger verspielt, aber dies auf Top-Niveau. Etwas kühler getrunken (ca. 40-50°) kommt der samtig-cremige Aspekt sehr schön zur Geltung, welcher ansonsten meist nur durch sehr starkes Rösten, oder etwas andersartig durch Milchbedampfung hervorgebracht werden kann.

Nachhall: etwas monotoner als die beiden zuvor, etwa gleichbleibend zum Trinkgeschmack, natürlich etwas gedämpft wie mit "Stöpsel" auf der Trompete, aber sehr gelungen. Für nicht dunkelst fermentierte und geröstete einen langen Nachgeschmack.

Für mich vom Zielgeschmack her klar der "von-langer-Hand-Geplanteste" der drei.



In der zweiten Disziplin, dem eierlegenden Wollmilchsau-Rodeo, besser bekannt unter dem Begriff Preis-/Leistungsverhältnis, hat Thailand die Nase vorn, danach kommt der chinesische Kontrahent, und zuletzt unser taiwanesischer Luxussportler. Bei ihm trifft das Sprichwort am meisten zu: Ohne Moos nix los. Aber auch: Wer hat - der kann! In diesem Sinne.

Auf dem Podest (der kärglichen Meinung des Reporters) stehen entgegen dem Rat seiner Angetrauten alle drei auf dem obersten Platz, ein Fotofinish ohne Foto, und nicht einmal aus Finnland, aber trotzdem saugut! Alle drei Tees sind derart fantastisch und begehrenswert - die zarten Vorteile des einen werden durch die Nachteile des anderen aufgewogen. Oder so ähnlich. Sie machen dem Namen Tee alle Ehre, ansonsten wären sie nie in ihrer Karriere so weit gekommen. Auch wird bei den Tee Olympiaden das Preis-Leistungsverhältnis stark berücksichtigt, so dass der engagierte Sesselsportler auch seine eigenen Schlüsse daraus ziehen kann - aber trotzdem: Im Top-Bereich kann Thailand punkto Geschmack und Raffinesse bereits auf Augenhöhe China und Taiwan begegnen! Prädikat: Bildungslücke geschlossen.

VLNR: Thailand, Taiwan, China

Die drei Athleten nach dem Wettkampf, völlig am Ende, am Boden zerstört.
Da kommt selbst die Rettungssanitäterin zu spät und verwirft die Hände - alle drei werden vereint zu Chilli Kompost. Möge, so Gott will, die bald auf ihnen wachsende Bhut Jolokia Chilli die spektakulären Aromen der drei Spitzensportler in sich weitertragen. (Nachtrag aus dem Oktober 2015: Das Resultat wurde schärfetechnisch der schiere Wahnsinn!)


Bezugsquellen der drei Teilnehmer:

Der thailändische Oolympionike wohnt hier: Teamania

Der taiwanesische Supersportler ist hier anzutreffen: Teavivre

Der chinesische Athlet ist derzeit leider ausverkauft, sein "jüngerer, einfacherer und günstigerer Bruder" ist aber hier aufzufinden: Chenshi China Tee

Anmerkung: Bei den Teilnehmern dieser Oolympiade handelte es sich durchwegs um die Jahrgänge 2013.


Kommentare:

  1. Toller Bericht, Kröti! :)
    Wenn das mal keine zukünftige olympische Disziplin wird...! ;)
  2. Unterhaltsamer Bericht, Güldenes Panzertier!

    Aber vielleicht hättest du statt 3 lieber 5 Oolongs bewertet! Dann hättest du die Teller mit den Infusionen (wie auf dem letzten Bild) in Form der Olympischen Ringe darstellen können - das wär's gewesen...

    Beste Grüße
  3. Sehr geschätzte Tee-Aficionados

    Es freut mich sehr, dass euch mein experimenteller Bericht gefallen hat. Ich wollte unbedingt mal etwas neues machen, mehr Unterhaltung und auch ein kleines bisschen Spass in Tee-Reviews miteinbringen.

    @Stöv: Gute Idee. Wenn wir ehrlich sind, war das ja erst die grüne Oolong Olympiade, es muss fast zwingend die halb oxidierte à la Oriental Beauty und die fast ganz oxidierte à la Da Hong Pao folgen. Da wird dein Vorschlag mit den 5 Teilnehmern und den olympischen Ringen in die Tat umgesetzt! Es ist ja zudem auch nur fair, noch 2 weitere Länder zuzulassen.

    Die Vorbereitungen auf die halboxidierte Oolong Oolympiade finden
    hier statt.

    Mit besten Grüßen
    Törte L.

Sonntag, 9. August 2015

Warum sind manche Grüntees magenfreundlicher als andere?

Howdy Tee-Orgien-Süffler!

Ich trinke ja wieder etwas mehr Grüntee, da ist mir eine kleine Theorie "passiert", aus vergangenen Erlebnissen zusammengeschustert.

Also an der Oxidation wird es ja wohl nicht liegen, diese liegt bei Grüntee generell etwa um die 1% (ungewollt).

Vielleicht aber an der Beschattung? In Japan gilt diese als herbedämmend.
Es gibt eine Theorie (ebenfalls von mir), dass die japanische Beschattung lediglich
eine künstliche Imitation von in China natürlich existierenden,
fast beständig von Nebel und Wolken verhangenen Teeberge ist,
was aus klimatischen Gründen so in Japan (leider) nicht natürlich existiert.
Aber nach kürzlichen Erfahrungen mit einem solchen sehr erlesenen Yun Wu
(Wolken Nebel) Tee, der im Gegensatz zu einem gänzlich anderen Grüntee
doch spürbar mehr auf den Magen geschlagen ist (in erheblicher Menge wohlgemerkt),
scheidet für mich dieses Kriterium als ein wirklich essentielles Kriterium aus.
Und damit auch gleich das Kriterium des Pflückguts von ganz jungen/feinsten Blättchen
im Gegensatz zu bereits etwas grösser geernteten Blättchen (natürlich in üblichen Grenzen).
Der Erntezeitpunkt hingegen ist klimatisch gesehen aber sicher nicht ganz ausser Acht zu lassen, wenn er auch meiner Meinung nach doch in einem nicht verhältnismässigen Mass überbewertet ist.

Beim Boden schnappte ich einmal von einem chinesischen Teebauern auf,
dass wenn dieser Sand enthalte, mache das den Tee weniger herb.
Diesen Punkt kann ich aber derzeit noch nicht gänzlich einordnen, bestätigen oder widerlegen,
möchte ihn aber trotzdem einmal hier aufführen.

Schlussfolgerung

Ich persönlich denke, die 2 nachfolgenden Faktoren sind im Verhältnis zu den Vorhergehenden überproportional massgeblich:

1.: Der entsprechende Kultivar:
Gewisse Kultivare sind "von Natur aus" schlicht erheblich herber
als andere. -> Diesen Aspekt tangiert etwas ausführlicher dieser Beitrag.

2.: Ebenfalls massgeblicher Faktor ist der Grad des Bratens oder Dämpfens:
Nicht auf extreme Hitze oder Röstaromen ausgerichtet, sondern darauf,
dass der Tee durch den Vorgang auch wirklich "gar" geworden ist.
Als allgemeinverständliches Beispiel z.B. einen Fisch, auf höchster Hitze gebraten,
aussen verbrannt, aber innen nicht durch -> das genau ist nicht das Ziel.

Ich freue mich auf Feedbacks und Widerlegungen aus euren eigenen Beobachtungen. ; )