Dienstag, 14. November 2017

Die halboxidierte Oolong Oolympiade 2017

Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer

Herzlich willkommen zur Live-Übertragung der halboxidierten Oolong Oolympiade 2017.
Im diesjährigen Finale kämpfen je ein erhabener Vertreter aus China, Neuseeland, Taiwan und Thailand um Gold, Silber und Bronze - und dies selbstverständlich wie Gentlemen.

Es geht letztlich darum, welche Nation es versteht, das exzellenteste und raffinierteste Resultat aus dem Blatt des Teestrauches (oder -Baumes) herauszuarbeiten in der dieser Kategorie ... Preis/Leistung sowie etliche weitere Faktoren miteingerechnet. Dieses Bewertungssystem ist das Resultat von jahrelangen eigenen Entwicklungen. Eine neue Regelung gibt es hierbei noch in finanzieller Hinsicht zu beachten: Um massentauglich zu bleiben, darf der Endverbraucher-Preis der einzelnen Teilnehmer maximal um die 1€ pro Gramm betragen.

Die vielfältigen Vorbereitungen auf den heutigen Event fanden hier statt. Hauptsächlich betrafen diese die Wahl der teilnehmenden Nationen, als auch die Bestimmung derer letztlichen Vertreter und Händler. Aufgrund oxidativ bedingter Ausscheidungen konnten nicht alle gewählten Nationen antreten (zugelassene Oxidation an dieser OO: ca. 40-65%). Der Grund hierfür liegt darin, dass mehrere der betreffenden Oolong-produzierenden Nationen wie z.B. Indonesien oder Nepal hauptsächlich sehr grünen und/oder ziemlich stark oxidierten Oolong herstellen, aber eben praktisch nichts dazwischen.

Die leichtoxidierte, "grüne" Oolong Oolympiade fand tatsächlich schon vor mehr als 3 Jahren statt.
Diese war aber eher als Testlauf zu verstehen, zumal sie auch noch ohne echte Bewertung endete. Dies ändert sich mit der heutigen Ausgabe.


Bildkommentar: Der durch die mehrjährige Lagerung ziemlich hell gewordene Neuseeländer (hat ihn teure Punkte gekostet) in Aktion


Die teilnehmen Nationen und ihre Vertreter

China tritt an mit einem 2013er Oriental Red (Songzhong Dongfang Hong) Fenghuang (Phoenix Mountain) Dan Cong Oolong.
Diese Sorte wurde vor etlichen Jahren als beste aller chinesischen Fenghuang Oolongs auserkoren, um dem Chairman als besonderes Geschenk dargebracht zu werden - nach dessen Lobpreisungen wurde in der Folge diese Sorte überhaupt erst auf diesen Namen umgetauft (Der Rote aus dem Osten). So etwa die Geschichte. Zuvor habe die Sorte angeblich einen völlig unaussprechlichen Namen gehabt.

Neuseeland tritt an mit dem 2013er Zealong Dark Oolong aus Hamilton, Waikato. Die ersten 1996 gepflanzten 130 Sämlinge stammen aus Taiwan.

Taiwan tritt an mit einem 2013er Shuixian Dan Cong aus Mingjian (aka Garagen Oolong, dieser Baum ist mittlerweile leider gestorben)

Thailand tritt mit einem 2013er Dong Ding an aus Doi Mae Salong in Nordthailand, ca. 250km südwestlich von Menghai in Yunnan gelegen. Kultivar: Ruan Zhi / #17, ursprünglich aus dem Alishan Hochland Taiwans stammend.

Indien musste leider kurzfristig disqualifiziert werden, weil der für Indien antretende Teilnehmer sich doch als zu grün hinter den Ohren erwies.

Interessant festzuhalten an diesem Wettkampf: Taiwan orientiert sich an China, während sich Neuseeland und Thailand an Taiwan orientieren. Vielleicht wird sich Indien auch irgendwann noch an Taiwan zu orientieren beginnen was die Oolong-Produktion betrifft.

Als Exoten-Bonus erhält der Teegarten in Neuseeland eine kurze Bildvorstellung:




(Quelle: Zealong, Link/Bezugsquellen unten aufgeführt)



Bevor es losgeht - die Details

Die halboxidierte Oolong Oolympiade Wettbewerbs-Dosierung:

- 4 Gramm
- 2 dl
- Zwieback Zini, etwas vom Passendsten für Oolong meiner Erfahrung nach
- Temperatur: 94°
- Ziehzeiten: 1. Durchgang 90 Sek., 2. Durchgang 60 Sek., 3. Durchgang 120 Sek.
- Verwendetes Wasser: Saskia Kirkel still


Bewertung:

Es wird mit dem Bewertungssystem von 6 (min.) bis 1 (max.) gemessen, mit bis zu 1/4 Noten Abstufungen. Ganz unten auf der Seite finden Sie dazu eine Legende zu den einzelnen Bewertungs-Noten, die zwar auf die Abschlussnote ausgerichtet ist, aber auch erhellend auf die einzelnen Aspekte wirken kann. Die zusätzliche Prozentangabe bei der Bewertung dieser einzelnen Aspekte bedeutet deren prozentuelle Gewichtung in der letztendlichen Endnote.


Interview vor dem Start:

Vielleicht erwischen wir wieder einen der Spitzenathleten zu einem kurzen Interview noch vor dem Beginn der Austragung? Ja!

Soeben geht Mr. Dark am Moderatoren-Zelt vorbei - Mr. Dark, Mr. Zealong Dark! Haben sie für die Zuschauer noch einen Augenblick Zeit bevor es losgeht? ... Recht herzlichen Dank! Wollen sie uns noch etwas mitteilen, bevor sie bis aufs letzte Quäntchen ausquetscht werden? Ja, ... ja, ... ja, ... ja, ... danke, jetzt reichts aber, bitte sparen Sie sich doch noch etwas Kraft für ihren Wettkampf!

Mr. Dark sagte es freue ihn ausserordentlich hier mit dabei zu sein, er habe nie damit gerechnet, dass sein Heimatland zugelassen werden würde, da er kaum Brüder und Schwestern in seiner Heimat habe, umso mehr möchte er sich bei der Teetalk-Community für deren Unterstützung bei der Wahl bedanken. Er wollte dann kaum aufhören von sich zu erzählen, sein Lieblingsfilm sei natürlich Herr der Ringe, seine Lieblingsfrucht die Kiwi, es sei eh nirgends so schön wie bei ihm zu Hause in Neuseeland - es scheint sich bei Mr. Dark um einen waschechten Patrioten zu handeln - zum Schluss meinte er, er gebe nur zu gerne sein letztes Hemd für den Ruhm seiner Nation unter den Teeliebhabern - das hören wir gern!

Bildkommentar: Mr. Zealong Dark beim Interview vor dem Start



Mögen die Spiele beginnen!

Alle Teilnehmer befinden sich in den Startlöchern! 
Der Startschuss ertönt, das Wasser köchelt bereits im blitzenden Stahl des Wasserkochers.
Die Athleten schwitzen vor Erregung - jetzt gehts ans Eingemachte!

Bildkommentar: Der indische Teilnehmer (2.v.l.) musste leider kurz vor dem Start disqualifiziert werden, weil es bei der Pinkelprobe ein zu grünes Resultat gab.

Aussehen der Blätter
(total 5% Anteil der Gesamtwertung)

Aussehen der Blätter unaufgegossen (2.5%): 

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.25
Taiwan Shuixian: 1.5
Thailand Dong Ding: 2.5



Bildkommentar: Der chinesische Anwärter aus dem Phoenix Gebirge in Guangdong


Aussehen der Blätter aufgegossen (am Ende des yi pao cha) (2.5%): 

China Oriental Red: 3.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 2.25
Thailand Dong Ding: 3.5




Duft 
(total 10% Anteil der Gesamtwertung)

Duft unaufgegossen (die Blätter in der Kanne) (2.5%):

China Oriental Red: 1.25
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian:1.5
Thailand Dong Ding: 3.5


Bildkommentar: Der Anwärter aus Neuseeland


Duft aufgegossen (der Tee beim 1. Aufguss in der Tasse) (5%):

China Oriental Red: 2
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2.5



Bildkommentar: Der Anwärter aus Minjiang, Taiwan


Duft aufgegossen (die Blätter nach dem 1. Aufguss in der Kanne) (2.5%):

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2.25
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2.5


Bildkommentar: Der Anwärter aus Doi Mae Salong in Thailand


Aufgussfarbe (1. Aufguss) 
(5% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2


Bildkommentar: Taiwan Shuixian


Geschmack (inkl. Vielschichtigkeit) (1. Aufguss) 
(20% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 1.75
Thailand Dong Ding: 2



Bildkommentar: Thai DMS Dong Ding


Nachhall Gaumen [Geschmack, Weiterentwicklung, Länge] (1. Aufguss) 
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2.5
Taiwan Shuixian: 1.5
Thailand Dong Ding: 2



Bildkommentar v.l.n.r.: China, Neuseeland, Taiwan

Ausdauer / Anzahl Aufgüsse: geschmackliche Entwicklung der weiteren Aufgüsse  
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 2.5
Neuseeland Zealong Dark: 3.5
Taiwan Shuixian: 2.5
Thailand Dong Ding: 3


Bildkommentar v.l.n.r.: Taiwan, Thailand

Wirkung (psychische und körperliche, inkl. umgebende Mystik betr. Sorte, Hersteller, o.ä.) 
(10% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.5
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2






Preis / Leistung
(15% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 3
Neuseeland Zealong Dark: 2
Taiwan Shuixian: 2.5
Thailand Dong Ding: 1.5






Lagerentwicklung / Reifung
(15% Anteil der Gesamtwertung)

China Oriental Red: 1.75
Neuseeland Zealong Dark: 3.5
Taiwan Shuixian: 2
Thailand Dong Ding: 2.25






Endnote 1.98: Taiwan
Gewinner Gold-Medaille

Endnote 2.00: China
Gewinner Silber-Medaille

Endnote 2.19: Thailand
Gewinner Bronze-Medaille

Endnote 2.50: Neuseeland
4. Platz





Bezugsquellen:  

- Der Chinese Oriental Red stammt vom Teeshop-Betreiber und Teetalker Chenshi Chris, derzeit vergriffen, jüngerer Jahrgang evtl. bald wieder verfügbar.
- Der Neuseeländer Zealong Dark wurde vom Blogger und Teetalker Geroha privat gesponsert, jüngere Jahrgänge etwas heller hier und etwa so dunkel wie getestet hier erhältlich.
- Der Taiwanese Shuixian stammt vom Röstmeister Atong via Teeshop-Betreiberin Meng-Lin Chou, ist aber ausverkauft als auch der legendäre Baum tot.
- Der Thailänder Dong Ding stammt vom Teeshop-Betreiber und Teetalker Diz.







Definition der Bewertung der verschiedenen Aspekte des Tees:

1.0: Fast unerreichbare Perfektion - ein einmaliges Erlebnis, hier stimmt einfach alles - bei verschiedenen Aspekten überhaupt nur bei perfekten klimatischen Bedingungen erreichbar.

1.5: Weltklasse - dafür lohnt es sich, ein kleines Vermögen hinzublättern – üblicherweise um das Beste, was eine Region oder Sorte überhaupt zu bieten hat.

2.0: Exzellent, erhaben - Pflichtkauf für Tee-Liebhaber.

2.5: Sehr gut und lohnenswert - bei einfacherem Tee das Höchste der Gefühle, welcher nicht so komplex, dafür aber ausserordentlich gut gelungen ist und Spass macht.

3.0 Gut, solide - zu geniessen, haut einem nicht vom Hocker, ist aber lecker.

3.5 Befriedigend - lecker wäre übertrieben, kann man aber noch gut trinken.

4.0 Augen zu und durch - kann man noch trinken, aber weit entfernt von Spass. 

4.5 Lohnt sich nicht, dafür Wasser zu verschwenden - da könnte vielleicht mal was gewesen sein. Kann auch auf schlechte oder zu lange Lagerung zurückzuführen sein.

5.0 Einfach nur schlecht - verdirbt die Laune.

5.5 Ganz erstaunlich miserabel - man braucht ein besonderes Händchen, um überhaupt an solchen Tee zu gelangen.

6.0 Lebensmittelvergiftung - verdirbt nicht nur die Laune, sondern auch noch gleich den Magen.

Montag, 20. März 2017

"Japan - der Matcha Cocktail": das Rezept

Diesen Matchacocktail haben Barkeeperfreund und Schauspieler A. Haueter vom BarMünster in Zürich und meine Wenigkeit gemeinsam an kalten Winterabenden Anfangs 2017 erfunden und entwickelt.

Er kommt so gut an, dass er nicht nur auf der kommenden Menü-Karte dieser Cocktail Trendbar erscheint, sondern ganz vorne als besondere Empfehlung der Bar zu finden sein wird.

Nach mehreren Anfragen veröffentliche ich hier exklusiv das Rezept für "Japan - der Matcha Cocktail", die Rechte darüber bleiben allerdings bei uns, © 2017. Private selbstverständlich, aber auch Bars dürfen dieses Rezept verwenden, den Cocktail aber nur unter der gleichen Bezeichnung "Japan" verkaufen. Der Namenszusatz " - der Matcha Cocktail", " - der Matcha Drink", " - the Matcha Cocktail" oder " - the Matcha Drink" sind allerdings gestattet. Das ist ein sehr ernsthafter Drink, der ein Welterfolg werden soll und meiner Einschätzung nach wird - dafür ist es aber wichtig, dass der Hauptname konstant bleibt. Wer ihn einmal probiert hat, wird schnell merken, dass er etwas wirklich besonderes ist.

  
Ein Foto des originalen Cocktailrezepts aus der Rezeptbox der Bar - geschrieben vom Miterfinder.

Die Farbe des Drinks im Hintergrund ist etwas extremer als der normale Cocktail nach Rezept - diesen habe ich heute Abend einmal probegesüffelt (für Extremisten) - er enthält die dreifache Dosis Matcha, ansonsten bleibt aber alles gleich. Der Drink hat so auf mich erstaunlich erfrischend gewirkt und war wunderbar ... aber eben nur wegen dem nächsten Punkt:

Ein sehr wichtiges Detail: Die Qualität des Matchas ist wider erwarten massgebend, weil bei diesem Drink der Matcha voll zur Geltung kommt und von den Aromen der anderen Bestandteile nicht negativ überdeckt wird - das ist der grosse Clou dieses Rezepts, aber auch das Problem, wenn die Qualität nicht ganz stimmt. Welcher Matcha genau verwendet wird ist zwar Betriebsgeheimnis - ich bitte auch alle Teefreunde die es wissen oder ahnen, darüber nicht öffentlich zu schreiben. Ich sage aber folgendes: Es handelt sich um allerhöchste Koicha Mönchs-Teezeremonien Qualität. Wenn man in irgendeinem guten Teeladen ist, ist der Teuerste gerade gut genug - das ist kein Scherz. Ganz besonders bei Erhöhung der Dosis (ich empfehle für Teeliebhaber ca. 2,5g pro Drink, etwa 2 Espressolöffel - so trinke ich ihn eigentlich immer), kommt der Matcha ganz ausserordentlich schön zur Geltung, und es ist auch ein toller Drink, aber eben die Qualität wird dann augenscheinlich, und nur wenn diese wirklich gut ist, ist der Drink auch richtig toll.

Wie klug es allerdings ist, so einen Drink mit knapp 4g Matcha um 23 Uhr zu trinken, das ist auch um fast 3 Uhr noch nicht ganz klar.

Nebenbei: Die Wahl des Gins ist ebenfalls wichtig - ich empfehle sehr, streng beim Rezept zu bleiben - wir haben es mit verschiedenen probiert, mit erheblichem (negativen) Unterschied auf die Zurgeltungkommung des Matchas.

So, jetzt habe ich immerhin einen würdigen Blog-Beitrag für das Jahr 2017 geschrieben.

Gruss
Kroet