Donnerstag, 14. Juli 2016

2016 Lao Ban Zhang Gushu Shou im ausführlichen Test

Die Pu'Er Koryphäe Jinsong Yu hat sich vorgenommen, dieses Jahr Bock samt Adler abzuschiessen und etwas zu produzieren, was zuvor vielleicht noch nie dagewesen ist. Die Kröte hat dazu ein Ständchen gequakt und sich ein Sample ergaunert, wovon Teeliebhaber noch im Wachzustand zu träumen glauben.

Wir sprechen hier von einem Shou aus Material der frühen Frühlingsernte sowie reinem Gushu Pflückgut - kein 15% Gushu Blend mit 85% Plantagenmaterial.

Wenn das kein Grund ist, das für die seit bald zwei Jahren anstehende, mitteloxidierte Oolong Oolympiade weiterentwickelte, Tee von der Erde bis zum Himmel vermessende Tee-Testsystem einmal wieder auf den Prüfstand zu schicken?


Let's begin!!


Aufgussdetails:
- 2 Gramm
- ca. 1,5 dl
- echte Jadekanne
- Temperatur: 95°
- Ziehzeiten: ca. 5 Sek. kalter Waschgang, 1. Durchgang: 90 Sek., 2. Durchgang: 60 Sek., 3. Durchgang: 120 Sek.
- Verwendetes Wasser: Saskia Kirkel still

Bewertungsdetails:
Es wird anhand der Notenskala von 6 (min.) bis 1 (max.) bewertet, mit bis zu 1/4 (0.25) Abstufungen. Die zusätzliche Prozentangabe bei den einzelnen Aspekten bedeutet deren prozentuelle Gewichtung in der Gesamtnote. Am Ende des Tests finden Sie eine hilfreiche Legende zu den einzelnen Teilnoten. 


























Aussehen der Blätter (unaufgegossen und aufgegossen) 
(5% der Gesamtwertung)

- unaufgegossen (2.5%): 2.5

Ein Shou hat grundsätzlich andere Stärken als die Optik, trotzdem ist es in diesem Fall ausnahmsweise interessant, man meint bereits die Dicke der Blätter zu erkennen und die Farben sind spannend und machen Lust auf den Tee!
























- aufgegossen (am Ende des Yi Pao Cha) (2.5%): 2.25

Ein sehr interessanter Fakt, der für ein Höchstmass von Fermentation spricht: die ausgelutschten Blätter und Stängel sind dermassen weit fermentiert, dass sie fast wie morsches Holz bei Berührung schon mit geringem Druck zu Mus werden, hier ein dicker Stengel:



Duft (unaufgegossen und aufgegossen)  
(10% der Gesamtwertung)

- unaufgegossen (die Blätter) (2.5%): 3.0

Eine Schwachstelle eines jeden jungen Shou - aber vergleichsweise kaum noch störendes Wodui von der Schnellfermentation, viel mehr eine interessant Pilz- und Walderdenote


- aufgegossen (der Tee beim 1. Aufguss) (5%): 1.75

Die Überraschung: Kein Wodui!
Torf, ungesüsster Kakao, leichter Mokka


- aufgegossen (die Blätter in der Kanne nach dem 1. Aufguss) (2.5%): 2.0

Ebenfalls kein Wodui!
Deftiger Geruch (und sehr interessante Wandlung davon): Düstere Waldwurzeln, -erde und Baumnadeln, Torf, schwarze Molasse



Aufgussfarbe (1. Aufguss) 
(5% der Gesamtwertung): 1.5

Wie im Gourmetbereich heutzutage mildgeröster Kaffee: weiches, warmes Braun - für mich sehr einladend.






















Geschmack (inkl. Vielschichtigkeit) (1. Aufguss) 
(20% der Gesamtwertung): 1.5

Ebenfalls kein Wodui zu verzeichnen!

Dieser Tee steht für mich für die süsse Seite des Lebens - Süsse in verschiedenen Facetten. Ein Tee zum Schwelgen und Geniessen. Eine derart samtene Textur, zungeumspielend und gaumenumschmeichelnd - warme, dichte, weiche Aromastruktur, aber wie die Königsdisziplin des Weins dabei leicht und nicht fett und schwer, mit der milden Würze aufs feinste ausbalancierte Süsse auf verschiedenen Ebenen, fast keine spürbare Bitterkeit, Hui Gan (wiederkehrende Süsse) legt sich wie Ebenen auf der Zunge ab, aber nicht wie bei Sheng Hui Gan die Süsse aus der Herbe entspringend, sondern eine Süsse folgt aus einer anderen Süsse, geheimnisvoll verborgen wie in Babuskas. Verblüffender Tee, ein Kunstwerk, wohl nahe der Perfektion, was mit Shou möglich sein dürfte. Anders als erwartet.



Nachhall [Geschmacksqualität, Geschmacksweiterentwicklung, Länge] (1. Aufguss) 
(10% der Gesamtwertung): 1.5

Wie oben erwähnt ein ausserordentliches Süssespiel. Minutenlanges, nur langsam abebbendes Hui Gan.



Ausdauer/Entwicklung: mehrfache Aufgiessbarkeit und geschmackliche Entwicklung der weiteren Aufgüsse  
(15% der Gesamtwertung): 1.5

Exzellent, selbst bei so leichter Dosierung sind noch etliche Aufgüsse drinnen.

Sollte man ihn beim zweiten Aufguss über dem Schreiben von ein paar Zeilen vergessen und versehentlich 10 Minuten lang ziehen lassen - kein Problem, er wird trotzdem wunderbar. Eine ganz leicht haselnussige Note kann dabei auftreten.



Wirkung (psychische und körperliche, sowie umgebende Mystik betr. Gegend, Sorte, Hersteller, Geschichte, etc.) 
(20% der Gesamtwertung): 1.25

Wirkung samtig sanft aber sehr stark! Mehr wie alter, herausragender Sheng. Nicht wie ein Gewitter wie sonst häufig bei gut gemachtem Shou. Wenn man vom Teetisch aufsteht befindet man sich definitiv im übertragenen Sinne in schwankender Wirtshausatmosphäre. Umgebende Mystik kaum zu übertreffen.



Preis/Leistung  
(15% der Gesamtwertung): 3.5

Ein Schnäppchen ist er nicht, darum muss er in diesem Punkt einstecken - wegen der Ausdauer werte ich ihn aber gerade noch befriedigend für den Preis. Aber der Preis-/Leistungsaspekt darf einfach nicht ausser Acht gelassen werden.



Endnote: 1.86
Individueller Titel: Erhabene Alternative für das Kaffeekränzchen einer Ölscheich-Runde

Bezugsquelle (mit etwas Glück in kleiner Menge beziehbar und nur auf persönliche Anfrage)



Definition der Bewertung der verschiedenen Aspekte des Tees:

1.0: Fast unerreichbare Perfektion - ein einmaliges Erlebnis, hier stimmt einfach alles - bei verschiedenen Aspekten überhaupt nur bei perfekten klimatischen Bedingungen erreichbar.

1.5: Weltklasse - dafür lohnt es sich, ein kleines Vermögen hinzublättern – üblicherweise um das Beste, was eine Region oder Sorte überhaupt zu bieten hat.

2.0: Exzellent, erhaben - Pflichtkauf für Tee-Liebhaber.

2.5: Sehr gut und lohnenswert - bei einfacherem Tee das Höchste der Gefühle, welcher nicht so komplex, dafür aber ausserordentlich gut gelungen ist und Spass macht.

3.0 Gut, solide - zu geniessen, haut einem nicht vom Hocker, ist aber lecker.

3.5 Befriedigend - lecker wäre übertrieben, kann man aber noch gut trinken.

4.0 Augen zu und durch - kann man noch trinken, aber weit entfernt von Spass. 

4.5 Lohnt sich nicht, dafür Wasser zu verschwenden - da könnte vielleicht mal was gewesen sein. Kann auch auf schlechte oder zu lange Lagerung zurückzuführen sein.

5.0 Einfach nur schlecht - verdirbt die Laune.

5.5 Ganz erstaunlich miserabel - man braucht ein besonderes Händchen, um überhaupt an solchen Tee zu gelangen.

6.0 Lebensmittelvergiftung - verdirbt nicht nur die Laune, sondern auch noch gleich den Magen.


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