Mittwoch, 29. Oktober 2014

Yin Zhen Mt. Taimu 2008

Geschätzte Teeliebhaber 

 

Herzlich willkommen auf meinem Blog.
Ich habe vor, hier hin und wieder ganz besondere Tees zu verkosten, und auch besondere Events wie die Fortsetzung der Oolong Oolympiade abzuhalten.


Zum heutigen Tee:

Yin Zhen aus Fujian ist fast jedem Teeliebhaber bekannt.
Aber kaum jemand kennt denjenigen vom ursprünglichen Kern-Anbaugebiet, dem Mt. Taimu.








Das Bild stammt von etwas weiter oben, aber diese Landschaft wollte ich euch doch nicht vorenthalten.

Dem Test stellt sich gar ein Gelagerter aus dem Jahre 2008.
Zu erwähnen ist, dass bei Yin Zhen 7 Jahre Lagerung als das Nonplusultra gilt.
Der Endverbraucherpreis hierfür läge bei ca. €6 pro Gramm, aber nur, wenn man überhaupt daran kommen kann, denn die Ware ist in China begehrt und knapp, und geht fast ausschliesslich über Auktionen an die Frau oder den Mann.
Im letzten Bewertungsaspekt (Preis-/Leistungsverhältnis) wird (zwangsläufig) auf die Frage eingegangen, ob sich dieser exorbitant teure Tee in irgendeiner Hinsicht oder für irgendjemanden "auszahlt".

Ein Klick aufs Bild für haarige Details (Makro-Aufnahme).

Generelle Bewertungsdetails: Ich bewerte hier auf dem Blog ausschliesslich nach den endgültigen Bewertungsaspekten, welche ich ursprünglich für die Fortsetzung der Oolong Oolympiade "entwickelt" habe, da hiermit meiner Meinung nach allen relevanten Aspekten eines Tees in einem optimalen Verhältnis Rechnung getragen wird, aber diese trotzdem auch einzeln ersichtlich sind, sollte jemand auf einen bestimmten Aspekt des Tees pfeiffen, z.B. das Preis-/Leistungsverhältnis. Ganz unten befindet sich zudem eine Legende zu den einzelnen Bewertungs-Noten. Es wird von 6 (min.) bis 1 (max.) bewertet, mit Abstufungen bis zu 1/4 (0.25) Noten. Die zusätzliche Prozentangabe bei den einzelnen Noten bedeutet deren prozentuelle Gewichtung in der Gesamtnote. So, das wärs mit dem Kleingeschriebenen, auf zum Tee!



Zubereitung:

 

- 1.5 Gramm
- ca. 1 dl
- 80°
- aufgegossen in der Sama Doyo (relativ neutral, etwas Patina - solche in der Art werden in Yunnan häufig zur Maocha Selektion verwendet)
- Ziehzeiten: 1. Durchgang: 90 Sek., 2. Durchgang: 60 Sek., 3. Durchgang: 120 Sek.
- Verwendetes Wasser: Saskia Kirkel still, zusätzlich durch Brita gefiltert



BEWERTUNG:

Aussehen der Blätter (unaufgegossen und aufgegossen) (5%) 

 

- unaufgegossen (2.5%): 1.25 

Nahe der Perfektion.


- aufgegossen (am Ende des yi pao cha) (2.5%): 1.5

Makellos.



Zwei hochqualitative, ausgelutschte Tees nebeneinander
Rechts der hier getestete Yin Zhen nach knapp 10 Aufgüssen, wie gesagt, makellos,
und zum Vergleich links zwei Blätter eines jungen Lao Man E Gushu Sheng nach ca. 15 Aufgüssen.

 

 

Duft (unaufgegossen und aufgegossen) (10%)

 

- unaufgegossen (die Blätter) (2.5%): 1.5

Der Geruch bildet eine derart dichte Einheit, dass keine einzelnen Geschmackskomponenten wie bestimmte Früchte oder Obst daraus eruierbar sind. Eine reife, tiefe, aromatisch leicht rustikale Süsse, nicht obstig. Brillant.


- aufgegossen (der Tee beim 1. Aufguss) (5%): 2

Untypisch! Etwas "wärmer" als Yin Zhen üblich. Sehr leichter Duft. Obst ist hierdrin aber erkennbar.


- aufgegossen (die Blätter nach dem 1. Aufguss) (2.5%): 1.75

Sehr Yin Zhen-untypisch!
Was vom typischen Yin Zhen stark abschweift im Detail:
Der Duft ist "wärmer", hat Nuancen von alter Mandarine und Honigmelone.
Sehr interessant im positiven Sinne!


Aufgussfarbe (1. Aufguss) (5%): 2.5


Nicht spektakulär, aber das war ja bei egal welchem Yin Zhen auch immer nicht anders zu erwarten.
Damit muss Yin Zhen halt generell leben, dass er in der Aufgussfarbe nicht sonderlich punkten kann. Dafür hat diese Machart in anderen Aspekten andere Vorteile.


Geschmack (inkl. Vielschichtigkeit) (1. Aufguss) (20%): 1.75


Sehr lecker. Mellow, süsslich, eher dezent, der stille Denker. Geht mit einem Aufwallen von süssen feinen Reifenoten unglaublich toll in den Nachhall hinüber - kommt wie eine Welle angerauscht.


Nachhall [Qualität, Länge, Geschmacksweiterentwicklung] (1. Aufguss) (15%): 1.25


Grandios. Wunderbare, reife Süsse. Und lange, verändert die Geschmacksebene mehrere Male (sicher 3, 4 Mal). Fegt einen 0815-Yin Zhen richtiggehend an die Wand.


Ausdauer/Entwicklung: mehrfache Aufgiessbarkeit und geschmackliche Entwicklung der weiteren Aufgüsse (20%): 1.5


Exzellent. Fährt wunderbar weiter. Im 2. Aufguss ist der Tee selbst noch etwas süsser, der Nachhall hingegen weniger, dafür kommen nun klarer zu definierende, luftige Yin Zhen Noten zum Vorschein. Aber wunderbar leicht und ohne Schwere trotzdem gaumenfüllend! Nebenbei erwähnt ist der letzte Satz das angestrebte Ziel von vielen Weissweinen. Im 3. Aufguss erscheint urplötzlich ein zitrusartige Note auf dem Parkett. Sehr abwechslungsreich versteht es der Tee, in immer neuen Erscheinungsformen zu glänzen, und den Betrachter in seinen Bann zu ziehen.
Auch am nächsten Tag aufgegossen schmeckt der 4. Aufguss glänzend, dies ist bei Yin Zhen ebenfalls nicht der Standard.


Wirkung (psychische und körperliche, inkl. umgebende Mystik betr. Sorte, Hersteller, o.ä.) (10%): 1.5


Der Tee zeigt eine sehr, sehr gute und schöne Wirkung, was das Renommee betrifft, aber noch mehr körperlich. ; )


Preis/Leistung (15%): 3.5


Oh ja hier muss er einstecken. Hier bewerte ich absolut diametral im Vergleich zu Parker und den meisten anderen in der Gourmetwelt, die etwas teuereres tendeziell schon rein wegen dem Preis mal etwas höher einschätzen - bei mir gibt das in der Endnote Abzug!
Verglichen mit üblichen Yin Zhen, und ich kenne einige, ist er deutlich besser und interessanter. Aber punkto Preis-/Leistungsverhältnis kann er gerade noch ein befriedigend davontragen.

Lohnen tut sich der Tee aber auf jeden Fall für Geniesser, die gar nicht aufs Geld schauen (müssen).
Ansonsten, wenn man ein Weissteeliebhaber ist, kann man sich durchaus Gedanken machen, ob man nicht ein paar Gramm davon für einen bestimmten Augenblick beschaffen möchte.




Endnote: 1.89

Auszeichnung: Kröti's Elitee-Qualität (1.75-1.99)

Bezugsquelle (bald mit Glück vielleicht in Kleinstmengen auf Anfrage erhältlich)



Definition der Bewertung der verschiedenen Aspekte des Tees:

 

1.0: Fast unerreichbare Perfektion - ein einmaliges Erlebnis, hier stimmt einfach alles - bei verschiedenen Aspekten überhaupt nur bei perfekten klimatischen Bedingungen erreichbar.

1.5: Weltklasse - dafür lohnt es sich, ein kleines Vermögen hinzublättern – üblicherweise um das Beste rum, was eine Region oder Sorte überhaupt zu bieten hat.

2.0: Exzellent, erhaben - Pflichtkauf für Tee-Liebhaber.

2.5: Sehr gut und lohnenswert - bei einfacherem Tee das Höchste der Gefühle, welcher nicht so komplex, dafür aber ausserordentlich gut gelungen ist und Spass macht.

3.0 Gut, solide - zu geniessen, haut einem nicht vom Hocker, ist aber lecker.

3.5 Befriedigend - lecker wäre übertrieben, kann man aber noch gut trinken.

4.0 Augen zu und durch - kann man trinken, aber weit entfernt von Spass. 

4.5 Lohnt sich nicht, dafür Wasser zu verschwenden - da könnte vielleicht mal was gewesen sein. Kann auch auf schlechte oder zu lange Lagerung zurückzuführen sein.

5.0 Einfach nur schlecht - verdirbt die Laune.

5.5 Ganz erstaunlich miserabel - man braucht ein besonderes Händchen, um überhaupt an solchen Tee zu gelangen.

6.0 Lebensmittelvergiftung - verdirbt nicht nur die Laune, sondern auch noch gleich den Magen.